Probiotika zur Unterstützung bei Antibiotika-Behandlungen

Im Falle einer bakteriellen Infektion im Körper ist es zuweilen unumgänglich, Antibiotika einzusetzen, um die krankheitserregenden Keime unschädlich zu machen. Durch die Einnahme werden jedoch auch nützliche Bakterien abgetötet und der Darm gerät aus dem Gleichgewicht. Als begleitende Maßnahme kann die Einnahme von Probiotika hilfreich sein, um das Darm-Mikrobiom wieder in Balance zu bringen.

Artikelübersicht

Wie wirken sich Antibiotika auf das Darm-Mikrobiom aus?

Keine Frage, die Entdeckung von Antibiotika stellt einen bedeutenden Meilenstein in der Medizingeschichte dar. Seit in den 40-ger Jahren des 20. Jahrhunderts erstmals ein Patient erfolgreich mit dem Wirkstoff Penicillin behandelt wurde, konnten durch die Medikamente unzählige Leben gerettet und gefährliche Seuchen ausgerottet werden.

 

Seit vielen Jahren zeichnet sich jedoch ab, dass Antibiotika häufig bei leichten Infektionen verordnet werden, die sich auch anderweitig behandeln ließen oder sogar bei nicht-bakteriellen Infektionen, gegen die antibiotische Wirkstoffe ohnehin nichts ausrichten können. Infolgedessen entstehen in besorgniserregendem Maße Antibiotika-Resistenzen, sodass Antibiotika in einigen Fällen nicht mehr wirksam sind.

 

Nicht zu vergessen ist aber noch ein weiterer Aspekt, der im Zusammenhang mit Antibiotika zum Tragen kommt: Bei der Einnahme werden nicht nur die krankmachenden Bakterien abgetötet, sondern gleichzeitig auch „gute“ Bakterien, die im Darm-Mikrobiom verschiedene wichtige Funktionen erfüllen und damit einen wesentlichen Einfluss auf unsere Gesundheit ausüben. Studien belegen, dass Antibiotika das Mikrobiom nicht für die Dauer der Einnahme, sondern teilweise noch bis zu 6 Monaten nach Therapieende aus dem Gleichgewicht bringen. Eine andere Untersuchung aus den USA kommt zu dem Schluss, dass die Verabreichung von Antibiotika bei Babys im ersten Lebensjahr das Risiko einer Nahrungsmittelunverträglichkeit erhöhen kann.

 

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Wiederherstellung der Darmflora, hat positiven Einfluss auf das Immun- und Verdauungssystem.

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Wie können Probiotika bei einer Antibiotika-Therapie helfen?

Probiotika tragen dazu bei, dem Darm lebende Mikroorganismen zuzuführen, um einem Ungleichgewicht effektiv vorzubeugen oder das Mikrobiom bei einer bestehenden Dysbiose mit gesundheitsfördernden Bakterien anzureichern. Zwar gibt es verschiedene Lebensmittel, die probiotische Bakterienkulturen enthalten. Für die gezielte Zufuhr der in diesem Fall notwendigen großen Mengen an nützlichen Bakterien wird jedoch die Einnahme eines hochdosierten probiotischen Nahrungsergänzungsmittels empfohlen. Wichtig ist dabei, dass die Wahl auf das geeignete Mittel fällt. Es gibt nämlich kein Probiotikum, das bei allen gesundheitlichen Problemen helfen kann. Stattdessen hat jeder Bakterienstamm einzigartige Eigenschaften, die über spezifische Wirkmechanismen verfügen. Zudem ist bei der Einnahme auch die Erkrankung zu berücksichtigen, die die Einnahme von Antibiotika überhaupt erforderlich macht.

Welche Probiotika bei Antibiotika-Einnahme?

Antibiotika können eine Reihe unangenehmer Folgeerscheinungen wie Verdauungsbeschwerden, Kopfschmerzen oder Hautausschläge hervorrufen. Ein häufiges Symptom, das sich bei Patienten innerhalb weniger Tage nach Beginn einer Antibiotika-Therapie einstellt, ist Durchfall. Anhand verschiedener Studien konnten durch die Einnahme von Probiotika mit bestimmten Bakterienstämme positive Effekte zur Vorbeugung von Antibiotika-assoziiertem Durchfall nachgewiesen werden:

  • So konnte anhand klinischer Studien der Nutzen von Probiotika zur Vorbeugung von Antibiotika-assoziiertem Durchfall und bei Infektionen mit Clostridium difficile nachgewiesen werden. Dieses Bakterium gehört zu den schädlichen Clostridien-Arten, die schwere Erkrankungen hervorrufen können. Ihr Wachstum lässt sich durch die Zufuhr bestimmter Mikroorganismen eindämmen.
  • Wenn Durchfall als Nebenwirkung einer Antibiotikabehandlung auftritt, werden vor allem Probiotika vom Stamm Lactobacillus rhamnosus GG empfohlen. Dabei handelt es sich um ein Milchsäurebakterium, das das natürliche Gleichgewicht des Darm-Mikrobioms unterstützt und das Wachstum pathogener (krankheitserregender) Bakterien hemmen kann.
  • Eine Nahrungsergänzung mit Probiotika vom besagten Stamm Lactobacillus GG hat auch einen positiven Einfluss auf unerwünschte Wirkungen, die bei der Behandlung von Heliobacter pylori entstehen. Das Stäbchenbakterium nistet sich in der Magenschleimhaut ein und kann hier eine chronische Entzündung (Gastritis) hervorrufen. Die Zufuhr der genannten probiotischen Bakterien wirkt sich positiv auf die generelle Verträglichkeit der Behandlung aus. Durchfälle bei Einnahme von Antibiotika in Verbindung mit Protonenpumpenhemmern können gemindert werden.

Wann und wie lange sollte man Probiotika bei einer Antibiotika-Therapie einnehmen?

Empfehlenswert ist, mit der Zufuhr probiotischer Bakterien bereits vor der Einnahme der Antibiotika oder spätestens bei deren Start zu beginnen, um unangenehmen Nebenwirkungen wie Durchfall effektiv vorzubeugen. Um das Darm-Mikrobiom gezielt zu stärken und wieder ins Gleichgewicht zu bringen, kann der tägliche Verzehr von Probiotika auch nach der Antibiotika-Therapie angeraten sein. Wie lange das Probiotikum im Einzelfall noch anzuwenden ist, sollte mit dem behandelnden Arzt abgeklärt werden.

 

Damit das verordnete Antibiotikum die neu zugeführten „guten“ Bakterien nicht sofort schädigen kann und deren positive Effekte auf das Darm-Mikrobiom verhindert, ist der Zeitpunkt der Probiotika-Einnahme von enormer Bedeutung: Der Verzehr des Nahrungsergänzungsmittels sollte mit einem Abstand von zwei bis drei Stunden zur Einnahme des Antibiotikums erfolgen.

 

Für Wachstum und Vermehrung der probiotischen Bakterien ist es zudem notwendig, die Mikroorganismen mit ausreichend Nahrung zu versorgen. Das geschieht mithilfe der sogenannten Präbiotika, bestimmten ballaststoffreichen Lebensmitteln. Besonders präbiotisch sind z.B. reife Bananen, roher Chicorée, Spargel und Schwarzwurzeln oder Zwiebelgewächse wie Porree, Zwiebeln und Knoblauch sowie Weichweizen und Vollkorn.

Ausführliche Informationen, wie Sie generell zur Stärkung des Darm-Mikrobioms beitragen können, finden Sie in unserem Beitrag „Mikrobiome und ihr Einfluss auf unsere Gesundheit“.

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Probiotika bei Antibiotika: Wissenswertes auf einen Blick

  • Antibiotika töten nicht nur krankheitserregende Keime ab, sondern gleichzeitig auch nützliche Bakterien. Dadurch entsteht ein Ungleichgewicht im Darm-Mikrobiom.
  • Durch die gezielte Zufuhr „guter“ Bakterien kann das Mikrobiom wieder in Balance gebracht werden.
  • Häufigste Folgeerscheinung einer Antibiotika-Behandlung ist Durchfall.
  • Bei Antibiotika-assoziiertem Durchfall kann die Einnahme von Probiotika vom Stamm Lactobacillus rhamnosus GG empfehlenswert sein.
  • Zur Vorbeugung ist es wichtig, rechtzeitig mit dem Verzehr eines geeigneten Nahrungsergänzungsmittels zu beginnen.

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